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Bei Südwind müssten wir kreuzen, um aus der Steganlage zu kommen, aber ohne Wind keine Kreuz. Wir setzen zwar Groß und Fock, lassen uns aber von unserem Minn Kota aufs freie Wasser schieben. Dann haucht uns der Südwind so leise an den Stegen vorbei, dass nicht einmal die Logge Fahrt anzeigen kann, vermutlich dreht sich nicht einmal der Propeller. „Frühling lässt sein blaues Band...“, die Seevögel balzen um die Wette und in der Ferne entdecken Schulkinder mit ihren Tretbooten Amerika.

 

Wir lassen uns treiben, die Seele baumeln, die Welt ist fern und der Mastabsturz ist beinahe vergessen. Wie erholsam können schon ein paar Stunden Urlaub sein. Nach der „Wende“ passieren wir wieder unseren Steg und erschließen das Ufer westlich vom Segelclub Mardorf. Wir lassen den Kran hinter uns und dann wird unser Schneckentempo von mehreren multikulturellen Tretbootbesatzungen entdeckt, die sich die Reise nach Amerika wohl doch etwas anders vorgestellt haben. Die blasen jetzt zum „Angriff“, während wir versuchen das Letzte aus „flexibel“ heraus zu holen. Doch die im Americas Cup so erfolgreiche „Alinghi“ ist weit weg und das Beschwören eines großen Vorbildes macht uns leider keinen Faden schneller. Ich öffne das Groß noch mehr, überprüfe den Holepunkt der Fock, doch die Logge zeigt gnadenlos Null Knoten. Dieses Rennen können wir nicht gewinnen, denn die Djschungs kriegen in der Jugendherberge gutes Essen, haben Coladosen, Eis und andere legale Dopingmittel dabei, während wir uns in dieser Woche das Essen von der Stadtküche vor die Haustür stellen lassen. Gegen uns sind das Giganten.

 

 

Übrigens, Giganten ...

 

gab es hier schon viel früher - und was für welche. Vor ca. 130 Millionen Jahren, zu Beginn der Kreidezeit, war das nördliche Niedersachsen von einem riesigen Binnensee bedeckt, an dessen Küste Flüsse mündeten. Klima und starke Strömungen veränderten ständig die Uferlandschaft der flachen Gewässer und in diesem feuchtwarmen Klima lebten wirklich Giganten, Dinosaurier. Sie hinterließen ihre Spuren im Sand des flachen Wassers.

 

Als sich der Wasserspiegel senkte wurden die Spuren im Sand zu Sandstein und genau 130 Millionen Jahre später kommt die Freiwillige Feuerwehr Münchehagen den Dinos auf die Spur. Die regelmäßigen und mit Schlamm gefüllten Vertiefungen wurden auf der Sohle des Sandsteinbruches bei einer Feuerwehrübung frei gespült und zweifelsfrei als Spuren der Dinosaurier identifiziert. Seitdem hat Münchehagen seinen Jurassic-Park und ein Abstecher zu den 15 km entfernten Dinos lohnt sich ganz bestimmt.

 

 

Das Rattern der Tretboote kommt unaufhaltsam näher und wird sich in das Gehirn des Skippers einbrennen, wie einst das pock, pock, pock von Captain Ahabs Holzbein in Hermann Melvilles „Moby Dick“. Gleich werden die unser blank geputztes Boot entern und da wir mit sportlichen Mitteln keine Chance haben, können wir das „Rennen der Giganten“ nur noch mit pädagogischen Mitteln einigermaßen offen gestalten. „Du, was kosten diese Boot? Wo fährst du diese Schiff hin? Warum bist du so langsam? Dürfen wir auf deine Schiff“, fragen 10 –12 jährige Schüler und sofort geht mir PISA durch den Kopf, die Reform des Schulwesens und die Notwendigkeit sprachlicher Förderprogramme im Elementar-bereich.

 

Mit Geduld, klarer Stimme und der Haltung eines Skippers der Kap Hoorn jeden Tag auf’s Neue umrunden könnte, beantworte ich alle Fragen. Die Djschungs hören zu, entern nicht unser Boot und das unseren Kurs kreuzende Tretboot macht so cool den Weg frei, wie eine sich unverhofft öffnende Eisbarriere im Südpolarmeer. Alle Boote bleiben auf Distanz und der frisch polierte Rumpf bekommt keinen Kratzer. Doch noch gewonnen? Als wir auf dem Rückweg die „Rennstrecke“ erneut passieren, erzählen die Coladosen und Tüten auf dem Wasser, dass der Wind immer noch nicht aufgefrischt hat. Jetzt sind sie wohl doch auf dem Weg nach Amerika.